Hauptorgel

 

Die große Orgel in der Matthäuskirche

 

Ein Orgelmonument aus zwei Jahrhunderten

Am 01.09.1899 wurde der damalige Kirchmeister Hegenbarth vom Presbyterium und der größeren Repräsentation der Kirchengemeinde Baukau beauftragt, zwecks Anschaffung einer Orgel mit der Firma Furtwängler & Hammer in Hannover in Verbindung zu treten. Laut Protokollnotitz vom 01.09.1899 wollte das Presbyterium nach Einholen eines Angebotes einen Vertrag über die Lieferung einer Orgel zu einem Preis von etwa 8.000,- Mark abschließen.

 

Nachdem die Firma Furtwängler & Hammer einen Vertrag vorgelegt hatte, beschloss das Presbyterium am 20.11.1899, diesen zu akzeptieren. Er sah vor, vom Tag der Einweihung der Kirche an bis zur endgültigen Fertigstellung der Orgel im Herbst 1900, eine Interimsorgel gegen eine Entschädigung von 100,- Mark zur Verfügung zu stellen. Der Kaufpreis für die Orgel sollte 7.380,- Mark betragen.

 

Die Lieferung scheint sich dann aber noch erheblich hinausgezögert zu haben. Am 05.03.1901 setzte das Presbyterium der Lieferfirma eine Frist bis zum 05.05.1901. Sollte die Orgel bis dahin nicht in Betrieb genommen werden können, würde man entweder ganz auf die Lieferung verzichten oder 500,- Mark vom Rechnungspreis abziehen. Am 03.05.1901 muss die Orgel in der Kirche installiert gewesen sein, denn an diesem Tag beauftragte das Presbyterium den Organisten der Christuskirche in Bochum, Große-Weischede, mit der Prüfung der Orgel. Nach dem Revisionsbericht des Sachverständigen vom 24.05.1901 hatte die Gemeinde eine gute Kirchenorgel erhalten: "Die Firma Furtwängler & Hammer hat sich in unserer Gegend durch die Orgel in Hamme bestens eingeführt, so dass ich wohl ein gutes Werk erwarten konnte. In meiner Voraussetzung habe ich mich wohl nicht getäuscht, denn die Gemeinde hat ein Werk erhalten, welches allen Anforderungen an eine gute Kirchenorgel entspricht."

 

Im Jahre 1938 wurde die Orgel mit einem elektrischen Gebläse ausgerüstet. Am 05.01.1940 beschloss das Presbyterium den Umbau der Orgel. Dabei wurde der als veraltet geltende Klangaufbau der Disposition geändert und das Klanggebilde umgestaltet. Nach dem am 16.09.1940 erstellten Prüfungsbericht des Orgel- und Glockensachverständigen, Kirchenmusikdirektor Gerdes aus Schwelm, wurde beim Umbau das gute Material der alten Orgel so weit wie möglich erhalten. Zu den neu eingestellten Registern wurde das beste, damals erhältliche Material verwandt. Die aus der alten Orgel übernommenen Register wurden so gut wie möglich umgearbeitet und neu intoniert, sprich: Die Orgel wurde damals so gut es ging dem Zeitgeschmack der Orgelbewegung angepasst.

 

Im Februar 1945, kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges, wurde die Orgel von einer Luftmine teilweise zerstört. Bei Beginn der Wiederaufbauarbeiten im Mai 1947 war die Wiederherstellung der Orgel noch in Frage gestellt gewesen. Der Orgelbauer Alfred Raupach aus Hattingen hatte den Versuch einer Rekonstruktion der Orgel übernommen. Er begann mit den Arbeiten am 25. Mai 1948. Bei der genauen Aufnahme der Schäden stellte sich heraus, dass die Schäden durch Wassereinflüsse erheblich schwerer waren, als man zunächst angenommen hatte. Doch es gelang, die Reparaturarbeiten bis zur Wiedereinweihung der Kirche auszuführen.

 

Die termingerechte Restaurierung war nur möglich geworden durch die aufopferungsvolle Mithilfe einiger Gemeindeglieder, Schreiner, Hilfsarbeiter und anderer. Eine besondere Hilfeleistung kam aus den USA. Zwei ehemalige Gemeindemitglieder, die jetzt in Missouri lebten, hatten das Geld für ein Spezialleder aufgetrieben. Im Gemeindebrief der "Our Saviour Lutheran Church of Norwood Park", der kleinen Gemeinde Newcastle im Staate Missouri, bat man um eine Spende für das dringend benötigte Leder. Einige Zeit später erhielt die evangelische Kirchengemeinde in Baukau ein kleines Päckchen aus Amerika mit dem benötigten Stück Leder und den Worten: "Werter Herr Pastor! In diesem Päckchen finden Sie das Leder für die Orgel. Es wurde mir am Sonntag, den 8. August, überreicht. Pastor G. Luecke war sehr stolz, dass er mir Ihren Wunsch erfüllen konnte. Unser Oberlehrer, Herr Paul Moll, 6056 N. Nickelson Ave, Chicago 31, I11, hat sich gleich mit der Orgelfabrik in Verbindung gesetzt. Das Leder ist etwas dicker; es wird hier für den Zweck gebraucht und kommt aus England." So konnte mit einem außergewöhnlichen "Care-Paket" die Inbetriebnahme der alten Orgel sichergestellt werden.

 

Mit Beschluss vom 22.03.1955 stimmte das Presbyterium dem Umbau des bisherigen Orgelprospektes durch Raupach zu. Am 28.05.1962 schließlich entschied das Presbyterium den endgültigen Umbau des Orgelwerkes. Da der Spieltisch mit seiner Spiel- und Registertraktur infolge des Krieges durch Wassereinbrüche sehr gelitten hatte, zeigten sich viele Mängel, die nicht mehr zu beheben waren. Der Orgelbauer Alfred Raupach erhielt den Auftrag für den Ausbau der alten und verbrauchten Spiel- und Registertraktur einschließlich des alten Spieltisches und der Röhrenpneumatik. Ferner wurden die vorhandenen alten pneumatischen Windladen und Registerrelais auf elektrische Betätigung umgestellt. Den alten - bisher an die Orgel angebauten Spieltisch - ersetzte man durch einen neuen freistehenden elektrischen Spieltisch.

 

Als am 01.04.1984 der damalige Organist Wolfram Wittekind seinen Dienst in Baukau übernahm, schrieb er in einem Artikel sehr treffend: "Auf der Orgelempore fanden sich ein abgesägter neugotischer Orgeltorso mit Windladen aus dem letzten Jahrhundert sowie alte Pfeifen, die aussahen, als hätte jemand versucht, aus einer Tuba eine Blockflöte zu machen." Wittekind entschloss sich - mit großer Unterstützung des Presbyteriums - kurzerhand die komplette Orgelanlage neu zu organisieren. Dabei wurden die vorhandenen Windladen umgestellt und aus der bisher zweimanualigen Anlage eine dreimanualige gemacht. Register wurden zurückgeführt oder durch gebrauchte Pfeifen, die aus anderen Orgeln der gleichen Entstehungszeit stammen, ergänzt. Die Anzahl der Register wurde auf 36 erhöht. Nach und nach wurden die Sünden der Neobarockisierung wieder beseitigt, soweit dies noch möglich war.

 

Zustand der Orgel vor Beginn der Renovierung

 

Im November des Jahres 2008 übernahm unser derzeitiger Kirchenmusiker Uwe Bittersmann das Amt des Kantors in Baukau. Nachdem zu diesem Zeitpunkt auch die komplette Sanierung unserer Kirche abgeschlossen war, stellte sich bald heraus, dass die Orgel durch die gravierenden Baumaßnahmen stark verschmutzt war und dadurch in technischer und klanglicher Hinsicht sehr gelitten hatte. Um das wertvolle Instrument für weitere Generationen zu erhalten, war eine komplette Ausreinigung des Instruments unumgänglich geworden. Da die Orgel während der ganzen Zeit der Sanierungsmaßnahmen am und im Kirchengebäude leider nicht - wie sonst bei größeren Baumaßnahmen üblich - mit einer schützenden Folie umhüllt wurde, konnte auch der Bauunternehmer mit zur Verantwortung gezogen werden, so dass seine Versicherung einen Teil der nicht unerheblichen Kosten für eine Generalreinigung der Orgel übernommen hat. Nach Einholung mehrerer Angebote beschloss das Presbyterium, den Auftrag für die Reinigung der Orgel an die Firma Andreas Schiegnitz aus Albsheim / Grünstadt zu vergeben.

 

Anfang September 2009 wurde mit dem Ausbau sämtlicher Register begonnen. Dabei wurden die einzelnen Pfeifen eines jeden Registers mit einem Kompressor ausgeblasen und anschließend gereinigt. Auch die Windladen und das Innere der Orgel wurden gereinigt. Ebenso wurde auch der Gebläseraum, der sich hinter der Orgel im Turm befindet, gereinigt und erhielt einen neuen Anstrich. Dabei wurde auch das alte - für die jetzige Größe der Orgel völlig unzureichende - Gebläse durch ein größeres und leistungsstärkeres ersetzt. Wir hatten Glück, hierfür ein gebrauchtes Gebläse preisgünstig erwerben zu können. Bei der Ausreinigung der Orgel wurden auch einige technische Unzulänglichkeiten behoben und das klangliche Konzept noch einmal überarbeitet. Einige Register wurden umgestellt oder durch "neue" alte Register abgebauter Orgeln aus der Entstehungszeit der ursprünglichen Orgel ergänzt. Für das Hauptwerk gelang es, ein neues 8'-Prinzipalregister aus England zu erwerben. Das alte 8'-Prinzipalregister aus dem Hauptwerk erklingt nun im Schwellwerk. Nach Abschluss der Generalreinigung wurden alle Register nach und nach wieder eingebaut, nach-, bzw. neu intoniert und sauber gestimmt. Die dringendsten Arbeiten konnten so rechtzeitig abgeschlossen werden, dass die Orgel zum Christfest 2009 wieder in ihrer (fast) vollen Pracht erklingen konnte.

 

Derzeitiger Zustand der Orgel

 

Nun sind in einem letzten Renovierungsabschnitt nur noch wenige Arbeiten geplant, die ohne eine Stilllegung größerer Teile der Orgel erfolgen können. Die Pfeifenfront der Orgel, die Schauseite also - auch Prospekt genannt - soll einen Rahmen aus Eichenholz mit neugotischen Verzierungen erhalten, so dass wieder der Eindruck eines geschlossenen, zum übrigen Interieur des Kirchenraumes passenden "Gehäuses" entsteht. Anhand der Fotomontage (siehe Foto unten) kann man sich jetzt schon vorstellen, wie in etwa der optische Eindruck sein wird.

 

Es sollen noch drei Register eingebaut werden, deren Pfeifen umgestellt oder beschafft, bzw. rekonstruiert werden müssen. Diese sind:

 

Gamba 8' (Manual I)

Gedecktbass 8' (Pedal)

Violoncello 8' (Pedal)

 

Der Spieltisch mit der elektrischen Anlage zur Steuerung der Ton- und Registermagneten muss noch gereinigt und technisch überarbeitet werden.

 

Fotomontage des geplanten Prospektes

 

Wir hoffen sehr, dass alle noch erforderlichen Arbeiten in den nächsten Jahren ausgeführt werden können. Zur Finanzierung sind wir dabei ausschließlich auf Spenden angewiesen. Wir würden uns daher sehr freuen, wenn Sie die Komplettierung der Orgel durch Ihre finanzielle Hilfe großzügig unterstützen würden. - Herzlichen Dank!

 

Spendenkonto:

Herner Sparkasse

IBAN: DE81 4325 0030 0160 0199 64

SWIFT-BIC: WELADED1HRN

Kontoinhaber:

Evangelische Kirchengemeinde Baukau

Stichwort:

Orgelrenovierung

 

 

Nach Abschluss des letzten Renovierungsabschnitts umfasst unsere Orgel dann 37 Register, die sich wie folgt auf drei Manuale und Pedal verteilen:

 

 

Pedal, C-f'

Manual I, C-f'''

Manual II, C-f'''

Manual III, C-f'''

Principalbass
16'
Bordun
16'
Seraphongedeckt
8'
Principal minor
8' 
Subbass
16'
Principal major
8'
Fugara
8'
Lieblich Gedeckt
8' 
Violonbass
16'
Concertflöte
8'
Principal
4'
Viola
8' 
Quintbass
10 2/3'
Gamba
8'
Flauto dolce
4'
Vox coelestis
8' 
Octavbass
8'
Dolce
8'
Nasard
2 2/3'
Octave minor
4' 
Gedecktbass
8'
Octave major
4'
Piccolo
2'
Flauto amabile
4' 
Violoncello
8'
Octave
2'
Terz
1 3/5'
Cornett II-IV
2 2/3' 
Octave
4'
Mixtur IV-V
2'
Clarinette
8'
Horn
8' 
Posaune
16'
Tuba
16'
Suboctave
  
Oboe
8' 
Koppel I-P
   
Trompete
8'
Äquallage ab
  
Suboctave
  
Koppel II-P
   
Superoctave
  
Superoctave
  
Äquallage ab
  
Koppel III-P
  
Äquallage ab
  
Koppel III-II
  
Superoctave
  
 
  
Koppel II-I
  
Celesta
  
  
  
 
   
Koppel III-I
  

  
 
  

 
 

Orgelspieltisch

 

 

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