Unser Glaube

 

Was evangelische Christen glauben

 

Betende Hände mit Gesangbuch

 

Wir bekennen uns zu Gott

"Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes"
 

Mit diesen Worten beginnt jeder christliche Gottesdienst. Wir bekennen uns damit zu dem dreieinigen Gott und sagen:
 

Gott offenbart sich als Vater und Schöpfer der Welt und aller Menschen. Gott offenbart sich in Jesus Christus als Versöhner der Menschheit. Und Gott offenbart sich durch den Heiligen Geist in der Gemeinschaft aller Glaubenden.
 

Damit betonen wir Christen: Gott ist Einer. Er offenbart sich aber auf verschiedene Weise: als Vater, Sohn und Heiliger Geist.

 

 

Jesus Christus

Jesus wird von Maria geboren. Er ist Jude. Er wächst in Nazareth auf, er lehrt und heilt vor allem in seiner Heimat Galiläa in Israel. Dort sammelt er Menschen um sich. Ihnen predigt er von Gottes neuer Welt, in der Gerechtigkeit herrscht. Er schenkt vielen Menschen Lebensmut; er begegnet armen Menschen mit Freundlichkeit, er heilt Kranke und er wendet sich Außenseitern zu.

 

"Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit"

Hebräer 13, 8

 

Durch seine Taten und mit dem, was er von Gott verkündigt, gerät Jesus in Konflikt mit den jüdischen und römischen Machthabern. Er wird von den Römern zum Tode verurteilt und gekreuzigt. Nach drei Tagen begegnet er drei Frauen und einigen Jüngern. Sie verkündigen: "Jesus lebt, er ist auferstanden! Gott hat ihn von den Toten auferweckt!" Seit dieser Zeit bekennen Christen Jesus Christus als den lebendigen Herrn ihres Lebens und der Welt.
 

 

Die Heilige Taufe

In der Taufe wird den Täuflingen die Liebe Gottes zugesprochen. Durch die Taufe werden Menschen in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Dreimal wird Wasser über den Kopf des Täuflings gegossen oder der Täufling dreimal in Wasser untergetaucht; dies geschieht "im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes". So soll symbolisch alles abgewaschen werden, was zwischen Gott und dem Menschen stehen kann. Die Getauften sind nun Christen. Sie gehören zum dreieinigen Gott und sind in der weltweiten Gemeinschaft der Getauften auch untereinander in der Kirche verbunden. Jesus Christus hat seinen Jüngern aufgetragen, zu taufen und zu lehren, was er ihnen gesagt hat. Darum ist die Taufe für uns ein Sakrament. Wir taufen in seinem Auftrag. In der Regel werden bei uns Säuglinge getauft. Später wird den Kindern in einem eigenen Unterricht der christliche Glaube erklärt. Dieser Unterricht schließt mit der Konfirmation, einem großen Fest für die Jugendlichen und ihre Familien. Wenn Erwachsene sich taufen lassen, werden sie vorher im Glauben unterrichtet.

 

"Ein Gott, ein Glaube, eine Taufe"

Epheser 4, 5

 

 

Das Heilige Abendmahl

In der Nacht, in der Jesus verraten wird, feiert er , wie alle Juden, mit seinen Jüngern das Passahfest. Dieses Fest erinnert das Volk Israel an seine Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten. Am Passahabend spielen Brot und Wein eine wichtige Rolle: Das Brot steht für das harte Brot der Sklaverei und die schnelle Flucht aus Ägypten, der Wein erinnert uns an die Freude der Befreiung. Jesus deutet diese Elemente neu: Das Brot ist sein Leib, der geopfert wird, der Wein ist sein Blut, das vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Dann fordert er seine Jünger auf, immer wieder Brot und Wein miteinander zu teilen und so an ihn und an seinen Tod zu erinnern.

 

"... solches tut zu meinem Gedächtnis."

Lukas 22, 19

 

Das Heilige Abendmahl ist das zweite Sakrament, das Jesus eingesetzt hat. Im Abendmahl feiern wir Christen die Gemeinschaft mit unserem Herrn Jesus Christus und die Gemeinschaft untereinander.

 

"Sie blieben beständig in der Lehre der Apostel, und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet."

Apostelgeschichte 2, 42

 

 

Die Kirche

Das Wort Kirche hat eine doppelte Bedeutung. Sie ist zum einen das sichtbare Gebäude, in dem sich Christen zum Gottesdienst versammeln. Seit fast 2000 Jahren werden Kirchen gebaut. Sie sind nicht nur Versammlungsraum, sondern in ihrer Architektur und mit ihren Kunstwerken auch Ausdruck des christlichen Glaubens. In vielen Kirchen haben schon Generationen von Menschen gebetet und Gottesdienste gefeiert, ihre trauer vor Gott gebracht und ihm in ihrer Freude gedankt. Deswegen sind die Kirchen die wichtigsten Versammlungsräume der Christenheit.

 

Zum anderen bezeichnen wir mit dem Wort Kirche auch die Gemeinschaft, die in der Taufe begründet und im Abendmahl gefeiert wird, erleben wir in unseren Gemeinden und vielen anderen kirchlichen Versammlungen und in der Ökumene, der weltweiten Gemeinschaft der Kirchen. Trotz aller Unterschiede glauben wir Christen an die Einheit der Kirche.

 

 

Das Vaterunser und die zehn Gebote

Die Jünger fragen Jesus, was sie beten sollten. Er antwortet mit dem "Vater unser". Diese Worte werden in der ganzen Christenheit in vielen Sprachen gebetet:

 

Vater unser im Himmel!

Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme,

dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Matthäus 6, 9-13

 

Im ersten Teil beten Christen um die Nähe Gottes in ihrem Leben. Im zweiten Teil bitten wir für uns und unser Zusammenleben mit anderen. Ganz ähnlich ist ein weiterer grundlegender Text unseres Glaubens aufgebaut, die Zehn Gebote. Sie sagen in den ersten vier Geboten, was der Mensch tun soll, damit Gott geehrt wird. Im zweiten Teil werden die Gebote benannt, die das friedliche Miteinander von Menschen ermöglichen. Die Zehn Gebote entstammen dem ersten Teil unserer Bibel, den wir Christen mit den Juden gemeiensam haben. Im 2. Buch Mose, Kapitel 20, werden sie so wiedergegeben:

 

1. Gebot:

Ich bin der HERR dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland,

aus der Knechtschaft geführt habe.

Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

 

2. Gebot:

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen,

weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem,

was unten auf Erden, noch von dem,

was im Wasser unter der Erde ist:

Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. ...

 

3. Gebot:

Du sollst den Namen des HERRN,

deines Gottes, nicht missbrauchen;

denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen,

der seinen Namen missbraucht.

 

4. Gebot:

Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst.

Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.

Aber am siebten Tag ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes.

Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh,

auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. ...

 

5. Gebot:

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren,

auf dass es dir wohlgehe und du lange lebest auf Erden.

 

6. Gebot:

Du sollst nicht töten.

 

7. Gebot:

Du sollst nicht ehebrechen.

 

8. Gebot:

Du sollst nicht stehlen.

 

9. Gebot:

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

 

10. Gebot:

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus,

... noch alles, was dein Nächster hat.

 

 

Die wichtigsten Feste der Christen

Weihnachten - Ostern - Pfingsten

 

Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu. Nach der biblischen Überlieferung wurde er von der Jungfrau Maria in einem Stall in Bethlehem geboren. Wegen einer Volkszählung mussten seine Eltern in die Heimatstadt seines Vaters Josef. Dieser stammte aus der familie des Königs David. Zum neugeborenen Jesuskind kamen auch weise Männer aus dem Morgenland. Sie hatten einen Stern beobachtet, der die Geburt eines Königskindes ankündigte. Weil diese "Heiligen drei Könige" Geschenke mitbrachten, ist in der Christenheit der Brauch entstanden, sich zu Weihnachten zu beschenken. Wir Christen bekennen: Mit Jesu Geburt kommt Gott als Mensch in diese Welt. Wir feiern diesen Tag am 25. Dezember.

 

Ostern ist das wichtigste Fest aller Christen. Zu Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu von den Toten. Diese Auferstehung bedeutet für uns: Jesus hat die Sünde der Menschen auf sich genommen. Gott aber rief ihn wieder ins Leben. Der Ostertermin ist in jedem Jahr verschieden. Es ist der Sonntag nach dem ersten Frühjahrs-Vollmond. Jeder Sonntag hat für die Christenheit österlichen Glanz und wir feiern an diesem Tag Gottesdienste. Für uns Christen ist der Sonntag der erste Tag der Woche. Dem Osterfest geht eine siebenwöchige Zeit der Vorbereitung voraus, in der viele Christen fasten. In diesen sieben Wochen erinnern wir uns an das Leiden Jesu und wir bedenken unsere eigene Sünde und Schuld. An seinem Todestag, dem Karfreitag bekennen wir: Jesus hat für uns gelitten und ist für uns gestorben.

 

Pfingsten nennen wir auch den Geburtstag der Kirche: 50 Tage nach der Auferstehung Jesu leben seine Jünger noch immer zurückgezogen in Jerusalem. Sie sind eine kleine Gemeinschaft. Was soll aus ihnen werden, nachdem Jesus nicht mehr bei ihnen ist, nachdem er am Himmelfahrtstag in den Himmel aufgefahren ist? Am Pfingsttag erfasst sie Gottes Heiliger Geist. Jetzt können sie anderen gegenüber frei und offen sagen, was sie mit Jesus Christus erlebt haben. Alle Angst ist verflogen. Die Jünger kommen nun häufig zusammen. Sie werden eine Gemeinschaft, die sich immer weiter ausbreitet, weil andere Menschen auch zum Glauben kommen. Diese anderen Menschen haben Jesus zwar nicht mehr selbst kennen gelernt. Aber durch die Jünger, durch ihre Gottesdienste und ihre Sorge für andere Menschen wächst die Kirche bis auf den heutigen Tag.

 

Die Texte stammen aus der Broschüre "Was evangelische Christen glauben", herausgegeben von der Evangelischen Kirche von Westfalen.

 

Link: www.evangelisch-in-westfalen.de

 

 

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